Den Beinamen
Fuggerstadt, nach dem reichen Handelsgeschlecht der Fugger aus Ausgburg, hat sich Stadt nahe der Brennergrenze selbst gegeben. Die Handelsherren hatten den Bergbau der Region unter ihre Kontrolle gebracht, der jährlich ein Vermögen einbrachte. Zudem lag Sterzing strategisch günstig an der Handelsroute zwischen Venedig und Augsburg. Aber nicht nur die Fugger, auch die Stadtkasse profitierte von Bergbau und Handel.
Den Reichtum der Stadt kann man heute noch an den größtenteils
mittelalterlichen Fassaden der Altstadthäuser ablesen. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts überschwemmte förmlich Silber aus der Neuen Welt den Europäischen Markt. Der Silberbergbau wurde unrentabel. Damit versiegte auch die Quelle des Wohlstandes für Sterzing, konservierte allerdings auch das spätmittelalterliche Stadtbild.
Der historische Stadtkern von Sterzing teilt sich in die nördliche gelegene Altstadt und die nach dem Stadtbrand im Jahr 1433 entstandene Neustadt. Das Wahrzeichen Sterzings, der
Zwölferturm, wurde genau dazwischen aufgemauert. Den charakteristischen Treppengiebel trägt der Stadtturm jedoch erst seit 1867, als der gotische Spitzhelm nach einen Brand ersetzt wurde.
Die Architektur der Häuser in der Sterzinger Neustadt mit großzügigen
Fassaden und den Laubengängen ist die zu Stein gewordene Demonstration von Reichtum in der Bergbaustadt. Die Altstadt wird vom
Rathaus dominiert, dessen lichte Wucht sich dem Besucher erst eröffnet, wenn er das Tor zum Innenhof betritt. Dort ist in einer Nische auch ein antiker Mithrasaltar eingemauert. Neben dem Rathaus erinnert eine Nepumukstatue an die Überschwemmungsgefahr, die in früheren Zeiten von der Eisack ausging.
In der Altstadt wartet auf Besucher ein kunsthistorisches Kleinod, das von Aussen unspektakuläre
Heilig-Geist-Spital. Der schlichte Bau aus des Mittelalters wurde im Innern beinahe vollständig im Stil der Spätgotik ausgemalt. Die großformatigen Fresken des Meisters
Hans von Bruneck zeichnet die im Geschmack der Zeit die Heilsgeschichte nach.
Außerhalb der Stadtmauer angesiedelt und auch heute noch fast freistehend: Die Stadtpfarrkirche
Unsere Liebe Frau im Moos und die ehemalige Niederlassung des Deutschen Ordens. Im Namenszusatz der Kirchenpatronin ist das augenfällige Mißverhältnis zwischen Kirchenkörper und Turm zu finden; das Gotteshaus wurde auf morrigen Untergrund erbaut und einem größeren Turm hätte es somait an Stabilität gefehlt. Die Standortwahl war denn auch eine politische Entscheidung: Die Bergbauknappen hatten sich eine Kirche außerhalb der Stadtmauern gefordert.